Anamorpher Würfel
Coopparatus
WAS
Coopparatus ist eine anamorphe und rotierende Installation, in der sich vier Darstellungen zusammensetzten können. Das Zentrum bildet ein würfelförmiger Bildkörper aus 144 Glasstreifen, der in einer Glashaube sitzt.
Auf den Streifen verteilt sind vier zersplitterte Bilder. Die Fragmente wurden zentralperspektivisch so angeordnet, dass nach jeder 90°-Drehung der Installation ein anderes Bild sichtbar wird. Besonders deutlich erscheinen sie, wenn ein Auge geschlossen wird. In den Zwischenpositionen brechen die Darstellungen zu einer Fragmentwolke auseinander.
Die Antriebseinheit besteht aus einem Drehtisch mit Getriebemotor. Der Rundschalttisch bewegt sich schrittweise: Nach jeweils 90° bremst die Vorrichtung sanft ab, hält kurz an und beginnt wieder langsam zu drehen.
Zu sehen sind vier Darstellungen von Händen, wobei jeweils zwei gegenüberliegende Bildpaare dieselbe Silhouette ausfüllen: Einmal hält eine Hand verschiedene gepflückte Pilze; gegenüber wird sie selbst zum Nährboden und von Baumpilzen überwachsen. Das andere Mal hält die Hand einen Amethyst; gegenüber ist sie versteinert und mit Granaten besetzt.
WIE
Coopparatus ist nicht nur ein Apparat zur Hervorbringung von Bildern. Durch den Einsatz maschineller, werkstofflicher, handwerklicher und perspektivischer Technik bewirkt die Installation, dass die vordergründige Frage „WAS sehe ich?“ erweitert wird: weil die Bilder nur über eine aktive Perspektiv-Regelung zugänglich sind, entsteht die Frage „WIE sehe ich die Bilder?“. Herkömmliche Bildbetrachtung wird durch die technischen Vorrichtungen so verschoben, dass die Bedingungen des Sehens in den Fokus rücken. Coopparatus stellt die Operation hinter der Repräsentation in den Vordergrund. Sehen wird als Vorgang, nicht als neutrales Fenster sichtbar.
Die Kunstinstallation ist somit ein Apparat, der Beobachtung von Beobachtung auslöst. Nachvollziehbar wird ihre Funktionsweise erst dadurch, dass eine beobachtende Person ihr eigenes Sehen in den Vorgang einbezieht. Eine Beschreibung von Coopparatus setzt eine beobachtende Person voraus, eine Person, die ihr eigenes Beobachten auf sich zurückbezieht. Die Installation ist so angelegt, dass diese Rückbezüglichkeit zur Funktionsbedingung wird: Die Bilder erscheinen nur dann als Bilder, wenn ein bestimmter Blickpunkt gesucht, eingenommen und gegebenenfalls korrigiert wird. Die Grenze zwischen Werk und Betrachtung wird instabil.
Aus bestimmten Blickwinkeln sind in der Installation vier Bilder erkennbar; jeweils zwei Bilder sind einander gegenüber positioniert und füllen - wie die doppelten Buchstaben im Werktitel - genau dieselbe Fläche aus. Diese Rückführung auf die eigene Rückseite findet sich auch thematisch in den Darstellungen der Bildpaare wieder. Zwei Hände, die „Natur“ festzuhalten scheinen, werden auf ihren Rückseiten als „Natur“ überwuchert und mineralisiert. Wo auf der einen Seite Natur und Mensch unterschieden werden, erweist sich diese Unterscheidung auf der anderen Seite als menschliche Konstruktionsleistung, die sich in sich ins Gegenteil verkehrt und aufhebt. Die Grenze zwischen „Natur“ und „Mensch“ erscheint nicht als Eigenschaft an sich, sondern als eine Setzung des Blicks.
Das Kunstobjekt tangiert damit vielfältige Themenbereiche. Neben der Wahrnehmung von bildender Kunst verweist die Installation ganz allgemein auf das Sehen durch technische Vorrichtungen – ein maßgebliches Merkmal von Beobachtungsprozessen in industrialisierten und digitalisierten Gesellschaften. Apparate – zu denen auch das Auge zählt – isolieren und stabilisieren Sichtbarkeit, indem sie bestimmte Bedingungen setzen und anderes ausblenden.
Coopparatus verweist auf diese apparativen Voraussetzungen des Sehens, indem die Vorrichtung selbst zum Gegenstand der Wahrnehmung wird: Die Bilder erscheinen nur aus bestimmten Blickwinkeln, mit einem Auge geschlossen und zerfallen sonst zur Fragmentwolke. Wer die Gestalt findet, erlebt zugleich, was dafür auf der Rückseite ausgeblendet bleiben muss. So rücken die Bedingungen des Sehens in den Vordergrund und mit ihnen die Frage, wie dieses Sehen zustande kommt: Sehen ist Nicht-Sehen.
Materialien: Weißglas, entspiegeltes Glas, Verbundsicherheitsglas, Aluminium, Baustahl
Bildtechnik: Malerei mit opaken und eingebrannten Schmelzfarben
Antrieb: ~0,8 U/min; 4-Takt-Trommelkurven-Rundschalttisch; 0,06 kW Getriebemotor
Betrachtungspunkt: X: 144 cm Entfernung Glashaube, Y: mittig, Z: 60cm über Standfläche
Abmessungen: (LxBxH) ~55 x 55 x 90 cm
Jahr: 2026
Gewicht: ~90 kg
Verfügbarkeit: