20 Jahre Literaturhaus am Inn

404 Ort



Textblöcke von Martin Fritz

schaut nach OST
Laut Amt dreihundersechzig Grad
ohne Markt der Hallenwürfel dort
Brenner liegt zwei Zeilen weiter
Faksimiles auch hier gegen Geist

schaut nach SÜD
raus Berg hinter Stift und Stufe
einträchtig arbeiten die Rotoren
mein Fleiß im Plural keine Tanne
draußen horten sie sowie wurzelt

schaut nach WEST
spiegelt das was heute schwefeln
per Santers Haus zwischen Emojis
alle zu Ende der liegt gegenüber
nur die Flieger schweigen golden

schaut nach NORD
nur mehr Regalen verunsichtbaren
unbedingt Bilder nicht berührend
nicht Licht nicht Archiv bis ich
ganze Kategorien ablöse beim Use


Projektbeschreibung

Die anamorphe Skulptur wurde in Zusammenarbeit mit dem Autor, Literaturwissenschaftler und Theatermacher Martin Fritz anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Literaturhauses am Inn realisiert. Sie ist inspiriert vom Blick in die vier Himmelsrichtungen vom Literaturhaus am Inn aus. Die entstandenen Texte sind als Fragmente so auf 144 Glasstreifen aufgebracht und im Raum angeordnet, dass sie sich beim Umrunden der Installation immerwährend auflösen und wieder zusammensetzen.

404 Ort wurde nach der Realisierung im Waltherpark Innsbruck öffentlich ausgestellt. Durch diese räumliche Verlagerung der ursprünglich an einen bestimmten Ort geknüpften Skulptur - vom Literaturhaus am Inn zum Waltherpark - wird ein Paradoxon geschaffen, das durch den scheinbar flüchtigen Charakter der Installation widergegeben wird. Da die ortsspezifischen Texte also vom Literaturhaus aus, mit dem Blick in alle vier Himmelrichtungen verfasst wurden, wird durch sie ein exakter Punkt - nämlich das Literaturhaus - definiert. Der durch ständige Selbst-Auflösung charakterisierte anamorphe Würfel versinnbildlicht die Unmöglichkeit eine Koordinate zu verschieben, ohne dass es eine andere wird.

Der Titel 404 Ort meint einerseits die vier vierzeiligen Textteile und ihre (un-)sichtbaren Zwischenräume (bzw. Durch- und Ausblicke), andererseits steht der Fehlercode „404 Not found“ bekanntermaßen im www für einen toten Link, also einen leeren Verweis, eine Ressource, auf die zwar verwiesen wird, die aber nicht gefunden werden kann.

Yahr: 2017
Techniken: Floatglas, digital bedruckte Klebefolie, Stahlsockel, Verbundsicherheitsglas
Beteiligte: Martin Fritz, Literaturhaus am Inn, Michael Gassebner

404 Ort
404 Ort
↑ schaut nach OST
404 Ort
↑ schaut nach SÜD
404 Ort
↑ schaut nach WEST
404 Ort
↑ schaut nach NORD
404 Ort 404 Ort
404 Ort
↑ Foto: Literaturhaus am Inn